Das tägliche Haarrichtual war fast ein Staatsakt.
Ihr „Toilette- und Turnzimmer“ in der Wiener Hofburg war einer ihrer wichtigsten privaten Räume. Laut Sisi Museum begann ihr Tag dort im Winter bereits um 6 Uhr morgens mit dem täglichen Frisierritual. Ihre Haare waren legendär; die Frisuren wurden von ihrer Friseurin Fanny Feifalik hergerichtet.
Ausgefallene Haar-Kontrolle: ausgefallene Haare wurden gezählt bzw. versteckt.
Bekannt ist die Anekdote, dass Sisi äußerst empfindlich auf ausgefallene Haare reagierte. Ihre Friseurin soll deshalb Haare, die beim Kämmen ausfielen, heimlich an einem Klebeband oder unter der Schürze versteckt haben, um keinen Tadel zu bekommen. Das passt zu ihrem extremen Haarkult, ist aber eher aus Erinnerungs- und Hofanekdoten überliefert als aus nüchternen Akten.
Korsett und Wespentaille: Selbstinszenierung und Zwang zugleich.
Elisabeth pflegte einen strengen Körperkult. Häufig genannt wird ihre extrem schmale Taille von etwa 46 cm, die durch Diäten, Sport und enge Korsetts unterstützt wurde. Quellen zur Habsburger-Welt betonen, dass ihr Schönheitsideal und ihr unkonventioneller Lebensstil später stark zum Mythos „Sisi“ verdichtet wurden.
Fleischsaft statt normaler Mahlzeiten.
Zu den drastischeren Diätgewohnheiten gehört der sogenannte Kalbfleischsaft: Aus gepresstem Kalbfleisch wurde eine Brühe bzw. Suppe bereitet, um trotz sehr geringer Nahrungsaufnahme Kraft zu behalten. In Unterrichtsmaterialien von Schloss Hof wird erwähnt, dass sie bei meist unter 50 kg Körpergewicht eine Suppe aus gepresstem Kalbfleischsaft kochen ließ.
Strenge Diäten: Orangen, Eier, Milch, Veilcheneis.
Elisabeth aß phasenweise sehr wenig und hielt ihr Gewicht mit teils extrem einseitigen Diäten niedrig. Genannt werden Orangen-, Eier- und Milchdiäten; zugleich liebte sie Veilcheneis und Veilchenkonfekt. Solche Details zeigen, dass ihr Schönheitsideal nicht nur Mode, sondern fast eine permanente Selbstdisziplinierung war.
Gewicht und Körpermaße wurden regelmäßig kontrolliert.
Ihr Körper wurde nicht nur über Korsett und Diät geformt, sondern auch vermessen: Gewicht, Taille, Schenkel und Waden sollen genau kontrolliert worden sein. Bei 1,72 m Körpergröße wird häufig ein Gewicht von meist unter 50 kg genannt — aus heutiger Sicht deutlich untergewichtig.
Turngeräte in der Hofburg.
Was viele überrascht: Sisi hatte in ihren privaten Räumen Turngeräte. Das Sisi Museum bezeichnet den Raum ausdrücklich als „Turn- und Toilettezimmer“. Sport, Gymnastik, Reiten und lange Wanderungen gehörten zu ihrem Alltag — für eine Kaiserin des 19. Jahrhunderts sehr ungewöhnlich.
Kaum Schminke, kaum Parfum — aber Duft für die Haare.
Sie legte Wert auf „Natürlichkeit“ und soll starke Schminke sowie Parfum abgelehnt haben. Ihre Haare dagegen wurden mit Duftessenzen behandelt. Das ist interessant, weil sie zugleich eine der am stärksten stilisierten Schönheitsikonen Europas war.
Rindfleisch-Gesichtsmaske.
Eine besonders bizarre Beauty-Gewohnheit: Um ihr Gesicht jugendlich zu halten, soll sie sich über Nacht gepresstes Rindfleisch auf das Gesicht gelegt haben. Diese Angabe wird in Schloss-Hof-Unterlagen genannt; bei solchen Anekdoten sollte man aber sagen: Sie sind populär überliefert und nicht immer so sicher belegbar wie etwa ihre Räume, Reisen oder das Frisierritual.
Sie entzog sich zunehmend der Öffentlichkeit.
Nach außen wurde sie als schönste Monarchin Europas verehrt, innerlich empfand sie Hofzeremoniell und öffentliche Blicke offenbar als Belastung. Das Sisi Museum beschreibt, dass sie als ewig junge, schöne Kaiserin in die Geschichte einging, sich politisch später aber kaum äußerte und stark aus der Öffentlichkeit zurückzog.
Reisen als Fluchtstrategie.
Sie war auffallend oft unterwegs: Ungarn, Korfu, England, Irland, Nordafrika, Kleinasien. Ihr Leben war weniger das der märchenhaften Kaiserin, sondern zunehmend das einer rastlosen Reisenden, die Hofpflichten mied.
Sie ließ sich tätowieren.
Für eine Kaiserin des 19. Jahrhunderts extrem ungewöhnlich: 1888 ließ sich Elisabeth einen Anker auf die Schulter tätowieren — passend zu ihrer Liebe zum Meer und zu Schiffsreisen.